Auf jedenfall habe ich die ersten 24 Stunden in meinem kleinen Zimmerchen gut ueberstanden. Ich dachte ja schon mein Zimmer in Holland, mit 13 Quadratmetern waere klein. Aber meine Vorstellungen von einem kleinen Zimmer haben sich nun grundlegend geaendert. Hier habe ich ein Zimmer mit 11 m², in diesem Zimmer befindet sich ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch, eine Kuechenzeile mit Kuehlschrank, Herdplatten und Microwelle und ein paar Regale, alles was man halt so braucht. Ich wurde nach einem tollen Urlaub, in dem ich meistens ein Doppelbett fuer mich allein hatte, knallhart in die Realitaet zurueck katapultiert und musste feststellen, dass ich doch vielleicht eventuell ein ganz kleinwenig, also wirklich nur ein bisschen, verwoehnt bin. Nunja… man gewoehnt sich an alles.
So bin ich nun also gestern hier eingezogen, und da Mama ja zum Glueck noch da war fehlt mir an nix und ich bin wahrscheinlich die bestausgestatteteste Exchange Studenten auf dem ganzen Campus. Danke Mama
Beim Zimmerbeziehen musste man eine Checkliste ausfuellen, ob alles da und in Ordnung ist. Ich teste die Mirkowelle und mir ist fast das Herz stehen geblieben als in der Mirkowelle zu neongruenen und blauen Blitzen kam… Ich hab mich nicht mehr getraut das Ding anzufassen, aber Mama hat sie ganz mutig ausgeschaltet. Neben der Mikrowelle war auch noch die Heizung defekt. Glaube ich jedenfalls, da sie irgendeine nicht definierbare Fluessigkeit verloren hat. Alles andere sah soweit erst mal Ok aus. Ich meldete die Schaeden beim Hausmeister, sehr netter Mann. Und hatte Wundersamerweise nach dem einkaufen eine neue Mikrowelle und eine neue Heizung.
Gegen Mittag war es dann soweit: Abschied von Mama. Nach einem letzten leckeren Mittagessen fuhren wir zum Flughafen und nach einem traenenreichen Abschied fuhr ich mit dem Taxi wieder zur Uni. Ich lenkte mich von ploetzlich eingetretenen Einsamkeit mit Zimmer putzen, aus- und einraeumen ab. Klappte auch ganz gut. Da nach so einem zweieinhalb Wochen langen Urlaub viel Waesche anfaellt dachte ich mir versuche ich mal mein Glueck mit den Kanadischen Waschmaschinen. Nachdem ich mir erstmal Hilfe bei der Rezeption holen musste, weil ich nicht wusste wie man Kanadische Waschmaschinen benutzt, war in nach eine kurzen Erklaerung in der Lage die Waschmaschine zumindest theoretisch zu benutzen. Ich wurde dann wieder alleine gelassen und war aber schliesslich so mutig meine schoenen Sachen in die riesige Waschtrommel zu stecken 1,50 Dollar reinzuschmeissen und 45 min abzuwarten. In der Zwischenzeit bin ich noch mal in mein Zimmer um zu checken ob ich mich ins Internet einloggen kann. Konnt ich nicht. Dafuer rieselte aus der Wand hinter der Steckdose, in die ich meinen Laptop eingesteckt hatte Sand, gropkoernig, aber ich wuerde es trotzdem noch als Sand bezeichnen. Gut dacht ich… der Hausmeister kenn mich ja eh schon, da geh ich mal hin und frag nach ob das normal waer. Wars nicht. Er hat mich angeguckt als hatte ich ihm gerade erzaehlt, das hinter ihm ein Ufo gelandet waere, war aber sofort bereit sich das Dilemma anzuschauen. Er guckte kurz, verschand und kam kurz darauf mit einem Staubsauger und einem Schraubendreher zurueck. Waerend er mit dem Schraubendreher in der offenen Steckdose herumfriemelte und versuchte den Sand aus der Wand zubekommen ging ich nach meiner waesche gucken. Sie hatte die Waschmaschine tatsaechlich ueberlebt, jetzt kam der Trockner. Ich also meine gute Waesche in den Trockner, und ganz tapfer angeschaltet. Man muss dazu sagen, dass ich sonst nie einen Trockner benutzt habe. Nach weitern 45 min war auch der Trockner fertig, meine Steckdose war mittlerweile auch wieder an der wand und der Mann mit dem Staubsauger verschwunden.
Nachdem ich nun gewaschen hatte und mehr oder weniger System in mein Zimmer gebracht hatte, dachte ich mir geh ich mal ein bisschen Joggen um die Gegend zu erkunden. Irgendwie eignet sich die diese allerdings nicht besonders gut zum Laufen oder ich habe noch nicht die richtige Strecke gefunden. Naja ich werd weitersuchen. Nach dem Joggen musste ich natuerlich duschen. Ich hatte bis dato noch keine Erfahrungen mit dem Badezimmer gesammelt, aber ich muss sagen ich war von der Dusche angenehm ueberrascht. Sie ist warm, es kommt genuegend Wasser aus dem Duschkopf und ich passe sogar darunter.
Da man in dem Aufenthaltsraum meiner Residence Internetzugang hat, habe ich mich da dann gestern Abend mal hinbewegt. Dort gibt es Billardtische, einen Flachbildfernseher, DVD-player, irgendeine art Spielkonsole ich glaube es handelt sich um eine Wii, eine Musikanlage, einen Kamin und ne Gemeinschaftskueche. Ausser mir befinden sich gerade noch 2 weitere Personen in diesem Aufenthaltsraum: zwei asiatisch aussehende junge Männer, ich schaetze mal so in meinem alter, was nicht unwahrscheinlich ist in einem Campusgebaeude. Na jedenfalls spielen die Zwei mit der erwaehnten Spielkonsole, allerdings hat es die beiden mindestens eine halbe Stunde gekostet sich gegenseitig ihre Gesichter zu kreieren, bis sie mit dem eigentlichen Spielen begonnen haben. Zwischendurch haben sie mich gefragt, ob ich auch mitspielen will, was ich prinzipiell ja sehr nett fand, aber ich mir durchaus spannendere Dinge vorstellen konnte als mein Gegenueber moeglichst aehnlich darzustellen. Bis dahin wusste ich ja noch nicht, dass es sich dabei nicht um das eigentliche Spiel handelte. Nunja… als sie dann wirklich angefangen haben, war ich immer noch froh das ich ihr Angebot abgelehnt hatte, abgesehen davon das das Spiel laut und bunt war habe ich nicht wirklich den Sinn dahinter erkannt.
In diesem Aufenthaltsraum habe ich dann auch meine erste Bekanntschaft gemacht, mal von den beiden Wii spielenden Asiaten abgesehen: Tim, nein Tim ist nicht maennlich, sondern ebenfalls neu. Und kommt aus Hongkong. Sie kam zielsicher auf mich zu, setzte sich neben mich, stellte sich hoefflich vor, fragte ob man hier Internet hat und ging wieder.
Irgendwann bin ich dann wieder in mein Zimmerchen gegangen und wollte noch eine DVD gucken. Ging aber nicht. DVD lief zwar aber ich hatte keinen Ton. Warum auch immer. Und mit Untertitel gucken hat ich natuerlich keine Lust. Nach mehrmaligem ausprobieren hatte es immer noch nicht geklappt und ich bin ins Bett gegangen. Ich hab erstaunlich gut geschlafen, mal vom Kuehlschrank abgesehen, der naemlich stuendlich fuer ein paar Minuten anfaengt zu brummen. Diese Nacht hat er mich noch jedes Mal geweckt. Aber wie gesagt ich denke man gewoehnt sich an alles.
Dann begann ein neuer Tag. Ich stand auf, duschte, fruehstueckte, regelte ein paar Unisachen, und organisierte mir meinen Internetzugang in meinem Zimmer. Dann telefonierte ich 2 stunden oder so mit meinem Lieblingsbruder, ging ein bisschen einkaufen und wollte dann meine Buecher abholen. Musste aber nachdem ich ueber den halben Campus gelaufen bin, und der ist nicht klein, feststellen das die schon um 16 zu machen. Tja Schade, dann halt keine Buecher, brauch sowieso kein Mensch. Als ich dann so in meinem Zimmer sass, klopfte ploetzlich jemand an meinem Fenster. Mein Nachbar. Ich hatte ihn schon gesehen als er gestern eingezogen war und dachte mir, der koennte auch Deutsch sein. So war es dann auch. Er hat mich gleich auf Deutsch angesprochen, ich will gar nicht wissen, woher er weiss, dass ich Deutsch bin. Ich hab mir dann ueberlegt, dass ich ja lange mit Jan telefoniert habe und das natuerlich auf Deutsch und schalldicht sind die Waende ja nicht. Er heisst Nino kommt aus Frankfurt und studiert BWL.
Jetzt ist es gleich schon wieder Abend und heute kann ich sogar endlich DVD gucken
Danke Jenny!!
So ihr Lieben, das war’s fuer heute. Vielleicht meld ich mich ja naechste Woche wieder
Aber wahrscheinlich werd ich ab naechste Woche nicht mehr so viel Langeweile haben, dass ich Seitenweise Einblicke in mein Leben gebe … aber ich werd mein Bestes tun!